Freitag 28. Mai:
Nach der Arbeit nur kurz zu Hause gewesen. Danach gleich mit Kollegen und einem Inder an der lokalen Bahnstation getroffen. Der Inder wollte uns mal andere Möglichkeiten zum Abends weggehen zeigen als immer nur unsere Stammkneipe Totos Garage. Na gut dachten wir uns, also rein in den Zug und ab in Süden. An der Victoria Station angekommen, ging es dann weiter per Taxi zu einem Cafe, Pub oder Restaurant, keine Ahnung, namens Mondegar. Ein typisches Mumbaier Touristen Etablissement, das massiv von Indern bevölkert war. Es sollte eigentlich ein Pub sein, wirkte aber mit den Tischen und Stühlen eher wie eine Mischung aus Biergarten und Restaurant, was es wohl auch ursprünglich sein sollte, denn es gab eine große Speißekarte. Das hat sich in Indien übrigens noch nicht rumgesprochen, dass eine kleine Karte mit überschaubaren und dafür frischen Gerichten besser ankommt, als hunderte von Gerichten aus der Tiefkühltruhe oder angegammelt. Hier zählt noch Masse statt Klasse. Den Ausspruch könnte man auch als Werbeslogan für Mumbai verwenden, aber ich schweife ab. Haupt Umsatzbringer an dem Abend war aber das lokale Bier Kingfisher, gegessen haben da nicht so viele Leute. Der Pub wirkte ein wenig skurril, da alle Wände mit Strichmenschen bemalt waren, die wohl Leute aus aller Welt darstellen sollten. Die Figuren erinnerten mich stark an die Vater und Sohn Bildergeschichten, nur das diese hier kolloriert waren. Man hätte dieses "unvergleichliche" Erlebnis festhalten können, in dem man vor Ort Tassen oder bedruckte T-Shirts gekauft hätte. Davon habe ich allerdings Abstand genommen. Es war mal was Anderes, aber auch nicht unbedingt besser. Ich, der sich auf so etwas wie einen Irish Pub mit Live-Musik und so eingestellt beziehungsweise nach der Arbeitswoche Lust zum Feiern gehabt hatte, wurde ein wenig enttäuscht. Im Endeffekt war es wieder sitzen und saufen. Nachdem man uns dann um halb 2 aus dem Lokal gebeten hatte, da ja hier alles zeitig zu macht und wir definitiv die letzten Kunden waren, beschlossen wir noch ein wenig uns die nähere Umgebung anzusehen. Wir waren am Gateway of India, dem Taj Hotel und dem Cafe Leopold, wo 2008 die Anschläge in Mumbai waren und man immernoch die Einschusslöcher sehen konnte, sowie in 2 Bars, wo allerdings auch kein mehr Alkohol ausgeschenkt wurde. Da keine Bahn mehr fuhr, nahm man sich also ein Taxi gen Norden und weil wir durstig waren wurde noch in einer lokalen illegalen Kneipe etwas Getränkenachschub geholt. Auf dem Weg lag übrigens auch das relativ bekannte Rotlichtviertel von Mumbai, dessen Name mir entfallen ist, einfältig wie wir waren, sagten wir zum Fahrer er sollte mal durchfahren, denn das möchte man sich dochmal ankucken. Wer allerdings Halligalli und leichte Mädchen in rot beleuchteten Fenstern, sowie Zuhälter die an Laternenpfahlen rumlugern erwartet hatte, sollte wohl doch eher nach Hamburg auf St. Pauli und die Herbertstraße fahren oder gleich nach Amsterdam. Da war nix zu sehen, Rollläden runter, alles dunkel, ok ein wenig zwielichtige Ecke mehr auch nicht. In Indien laufen halten die Uhren anders. Der Taxifahrer sagte dann, am Tage sehe das hier alles ganz anders aus. Noch trostloser dachte ich mir, kann man sich kaum vorstellen. Als ich schon dachte der Abend neigt sich nun dem Ende zu, man war ja auch müde, schließlich hatte man den ganzen Tag gearbeitet, machten wir kurz vor Bandra nochmal einen Abstecher nach Andheri. Unser Inder hatte wohl dem Fahrer gesteckt uns noch in so eine illegale 24h / 7 Tage die Woche Bar zu fahren. Ich muss allerdings zugeben, dass ich darüber doch innerlich ein wenig ungehalten war, da ich aus Gründen des Schlafmangels bzw. Alkoholkonsums doch in meinem Bett besser aufgehoben gewesen wäre, und dann bestimmt so ein Inder einfach den weiteren Tagesablauf ohne dich darüber zu konsultieren. Wer mich kennt, weiß dass man mir das nur minimal angemerkt hat. Dann stiegen wir also da aus mitten im Niemandsland unter einer Autobahnbrücke, welche die ganze Stadt durchzieht und ich dachte, wo soll hier bitte eine Bar sein? Nachdem man um 3 Ecken vorbei an schlafenden Bewohnern und Wellblechhütten auf die Rückseite einer Häuserzeile gelangt war. Ging es auf einmal über einen kleine Steg hinten durch die Küche und schon war man im Lokal. Es war wirklich wie im Film, schade das man in solchen Momenten nie eine Kamera dabei hat. Der Absacker dort gab allen dann den Rest und mir schwante böses, da man sich trotz meiner Einwände bezüglich der geringen Schlafenszeit für den nächsten Tag zu halb eins für einen Road Trip (zu deutsch Ausfahrt mit dem Automobil) in den Norden Mumbais verabredet hatte.
Samstag 29. Mai:
Sonntag 30. Mai
Bereits am Samstag Nachmittag war klar, dass dieses Wochenende mit akuten Schlafmangel enden würde. Sonntag Morgen ging es wieder frisch, frei und fröhlich um halb 7 aus dem Bett heraus. Schließlich hatte mein Chef angeboten, alle Praktikanten die wollten, mit nach Pune zum Polo-Cup zu nehmen. Ich war anfangs nicht so sehr angetan von der Idee, da ich meinen Sonntag doch lieber auf einer Couch oder Bett verbringen wollte, habe es aber im Nachhinein nicht bereut dort mit zu fahren. Wie hätte das denn auch ausgesehen, wenn mein Chef mir anbietet alle mitzunehmen und ich dann als Einziger nicht mitfahre. Wie gesagt, ich hatte Anfags Bedenken, Autorennen mit Polos, bei weit über 40 Grad und auch Inder an der Organisation beteiligt, hörte sich für mich nach einem anstrengedem Nachmittag an. Vor Ort angekommen, hat man dann aber gleich gemerkt, dass es die richtige Entscheidung war mitzukommen. Im Schlepptau des Chefs schön ohne auf die Frage des indischen Sicherheitspersonals nach Zutrittsausweisen auch nur im Ansatz einzugehen sind wir erstmal über die Strecke zum Fahrerlager geschlendert. Dort konnten wir uns in aller Ruhe bis zum Start der Rennen umsehen und danach ging es ab auf die Ehrentribühne, feine Sache sowas. Wichtige Leute des Konzerns und indische Prominenz waren vertreten, aber wer genau kann ich jetzt auch nicht mehr sagen. Ich glaube einer vom Vorstand oder Aufsichtsrat, der große Indienchef und die Schwester von Shah Rukh Khan oder so. Das ist der alternde Schauspieler, denn die Inder aus Gründen, die sich mir nicht erschließen, wie einen Gott verehren und der auch hier auch für alles von A wie Abführmittel über K wie Klobürsten bis hin zu Z wie Zweitgebiss Werbung macht. Die Rennen waren dann doch wider meiner vorherigen Meinung spannend, einmal vielleicht sogar ein wenig zu viel als einer der Polos abhob und sich grade noch so auf 2 Räder fangen konnte, sodass er nicht in die Zuschauerränge geknallt ist. Deutsche Sicherheitsabstände gab es da natürlich nicht, da konnte man direkt an die Strecke ran. Das hätte den Bekanntheitsgrad des Polos schlagartig erhöht, aber nicht unbedingt positiv. Ansonsten kann man sagen, dass die Firma sich den ganzen Spaß richtig was kosten lassen hat. Großes Buffett für die zahlreichen Ehrengäste, Live-Übertragung im indischen Fernsehen, Rahmenprogramm mit Go-Kart Rennen und kleiner Stuntshow, Respekt. Am Ende war der Tag aufgrund der starken Hitze vielleicht ein wenig lang, aber das kann man den Organisatoren ja schlecht vorwerfen. Da ich am dem Tag hauptsächlich Filme mit meiner Kamera gedrecht habe, sind es diesmal etwas weniger Bilder, die aber hoffentlich einen guten Eindruck vermitteln
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Die letzte Woche hatte ich dann damit zu kämpfen trotz Arbeit den verlorenen Schlaf wieder rein zu holen. Deshalb wohl auch der Blogeintrag erst so spät. Viel ist auch nicht passiert und Bilder habe ich glaube ich auch keine gemacht. Asche über mein Haupt. Dienstag Feierabendbier. Mittwoch war ich wieder beim Stammtisch. Freitag war ein ruhiger Tag mit Abends ein, zwei Bier. Mittags hatte ich das erste typisch indische Curry gegessen, was mir wirklcih sehr gut geschmeckt hat, hieß glaub ich "Chicken Handi". Samstag war ich dann in einem neuen indischen Einkaufszentrum. Fazit: sehen auch nicht viel anders aus als in Europa. Abends war allerdings der Knaller bisher: Wir haben uns mit Kollegen ein deutsche Kartofflesuppe gemacht und gleich erstmal davon überfressen, so deutlich muss man es sagen. Danach ging es in eine indische Disco, die man kurz und knapp am besten so beschreibt:
Ziemlich teuer, vor allem für Inder, schweinisch heiß, überfüllt, Musik aber gut und der obligatorische Stimmungstöter: Schluss um 1 Uhr!!! Indien hat das Feiern nicht erfunden, soviel steht fest.
Übrigens Stichwort Regen, der Monsun hat eingesetzt. Bis jetzt regnet es zwar noch nicht den ganzen Tag, dafür oft kurz und heftig. Erste Kollegen reden schon schimmelden Kleidungsstücken. Hoffentlich bleibt mir das erspart, hab mir hier schließlich 2 Anzüge schneidern lassen, das wäre schon blöd irgendiwe. Werde voraussichtlich bald an dieser Stelle ein paar Bilder bereitstellen können. Die nächsten Tage muss ich dann nur noch sehen, wie ich es organisiere möglichst viele WM-Spiele zu sehen, was in diesem Land wirklich ein Problem ist. Ach so, ich flieg nun vom 1. bis zum 4. Juli zum Himalaya. Da ist es am günstigsten und ich verpasse am wenigsten Fußball. Auf die Andamanen Inseln, so ist zumindest der aktuelle Stand, werde ich wohl aus diversen Gründen (Monsun, WM, Zeit, Geld) nicht mehr fliegen.
Bis demnächst!
