Samstag, 1. Mai 2010

Samstag, 1.Mai

Heute also eine Kolumne zum Maifeiertag.

Ne mal Spaß bei Seite, eigentlich wollte ich heute ja ausgehen, allerdings musste ich dann mit erschrecken feststellen, dass heute einer der so genannten "Dry Days" in Maharashtra ist (so heißt hier der Bundesstaat). Auf deutsch: trockene Tage, dass heißt hier nicht etwa, das an diesen Tagen Wasser gespart wird oder es nicht regnet, nein es wird kein Alkohol verkauft und ausgeschenkt! Was für eine grausame und ungerechte Welt!

Also heute mal wieder nur ein Blogeintrag nach langer Abstinenz (trifft die Woche auch im übertragenen Sinne zu). Es gab die letzten zwei Wochen auch nicht viel Welt bewegendes über das man hätte schreiben können. Ich habe jetzt hier 2 Haustiere mehr in meinem Zimmer mit Bad. In der Naßzelle wohnen jetzt zwei kleine Geckos. Die gesellen sich dann also zu dem munteren Treiben aus winzigen Ameisen, die einem den letzten Nerv rauben, weil sie sich sofort auf jede Brotkrume, die 15 min irgendwo rumliegt, stürzen und dem ganzen anderen Viehzeug. Eigentlich wollte ich ja dieses Wochenende in Goa sein, das habe ich aber aus flugpreistechnischen Gründen nun auf die Zeit vom 14.-16- Mai verschoben, nun gehts hin und zurück für knapp 70 €.

Letztes Wochenende bin ich am Samstag noch alleine los gezogen, da alle Kollegen keine Lust hatten; wie geil, und bin dann in einer Rockbar namens Toto's Garage (hier noch 2 Links) gelandet, dort spielt man klassischen und älteren Rock, manchmal auch so was wie Rammstein. Es gibt Bier zu deutschen Preisen und Whisky nochmal etwas darüber, über der Bar hängt die Karosserie eines alten Käfers. Anfangs hab ich mich mit einer Gruppe Engländer an der Bar unterhalten und später dann mit einer Gruppe Inder. Mit denen bin ich ins Gespräch gekommen, weil man sich draußen beim Rauchen gemeinsam über einen Rikschafahrer lustig gemacht hat. Da hatte doch echt einer an diese klapprigen 3 rädrigen Mopeds mit Überdachung und Minirädern, die ständig zusammenbrechen, so etwas wie Felgenverzierung montiert. So eine die man aus alten Filmen über antike Wagenrennen kennt, womit man die Reifen/Räder seines Konkurrenten "zerstören" kann. Es sah schon sehr lächerlich aus! Mit ein paar von denen treffe ich mich morgen Nachmittag um aus Spaß mal so einen Barkeeper Kurs mitzumachen. Ich denke das kann ganz witzig werden, bißchen lernen wie man Cocktails mixt und serviert. Hoffentlich gibt es da auch eine Verkostung am Ende. Ich hatte morgen eh nix vor und wenn sonst nicht geht, dann halt mal sowas.

Die Woche hatte ich dann einen Abend beim Fußball über Internet schauen auch noch eine Begegnung der nervigen Art. Ich hatte meine 2. Tür, die ihr auf dem einen alten Bild seht, auf gelassen um frische und kühlere Luft rein zu lassen, denn es war schon spät und dadurch erträglicher. Glücklicherweise hatte ich wie immer das Metallgitter abgesperrt. Das Licht aus meinem Zimmer hatte wohl irgendeinen alten Penner dazu veranlasst des Nachts die Arme durchzustrecken und lauthals zu betteln. Ich habe dann die Tür zugemacht. Am nächsten Morgen im Büro waren dann auch die Kollegen einigermaßen geschockt, denn sowas haben die auch noch nicht erlebt. Es hat sich wohl also im Viertel rumgesprochen, dass hier ein Fremder lebt, dann kann ich ja noch froh sein, dass die hier nicht Schlange stehen. Die kleine schwarze dürre Mietzekatze kam übrigens den Morgen, als ich grad das Haus verlassen wollte, mautzend auf mich zugerannt. Ich hab sie dann mit etwas Wasser und feucht gewordenen Butterkeks gefüttert, nicht unbedingt Katzenfutter aber was anderes hatte ich auf die Schnelle nicht. Da ich den Tag lange auf Arbeit war, hatte ich Glück und sie ist seitdem erstmal nicht mehr wiedergekommen. Das würde mir hier noch fehlen, ein zugelaufenes Tier. Für alle die es interessiert, ich habe sie 2 Tage später aus einer Rikscha nochmal eine Straße weiter gesehen, also scheints ihr gut zu gehen. Bei dieser Aktion musste ich übrigens meinen glücklicherweise verschlossenen Aktenkoffer einen Augenblicke unbeaufsichtigt vor der Tür stehen lassen. Denn komischerweise waren kurz danach 2 kleine Kinder in dem Vorgarten einen Cricketball suchen, was durchaus mehrmals in der Woche vorkommt, den sie aber wohl nicht mehr gefunden haben, also ein Schelm wer böses dabei denkt und immer das Schlechte im Menschen vermutet.

Auf der Arbeit ist soweit alles ok, außer das die Personalabteilung saumäßig faul ist. Die anderen Inder arbeiten ja wenigstens wenn die Chefs in der Nähe sind und nicht gerade Freitag ist, aber die machen echt den ganzen Tag nix außer sich unterhalten oder in der Küche Kaffee trinken. Die Produktivität dieses Landes gibt mir zu denken, aber bei 1 Millarde Menschen reichen dann wohl auch viele noch so kleine Handgriffe. So kommt es jedenfalls, dass ich immernoch kein Bankkonto hier habe (ist ein Problem mit der Registrierung und Bürokratie, wie alles hier) und auch keine Steuernummer. Demnach lass ich mir mein Geld immer Bar auszahlen und renn hier halt mit ein paar zehntausend Rupien in der Tasche rum, wenn das der Penner von Montag wüßte!

Man hat mir auf Arbeit übrigens meinen neuen, extra dafür gekauften USB-Stick entwendet. Außer dem finanziellen ist glücklicherweise kein weiterer Schaden entstanden, es waren nur reichlich Kopien der Daten über die Dinge, die ich momentan bearbeite drauf. Ich denke mal es war einer der vielen kleinen "Helferlein" die da überall rumwuseln, die keiner so richtig kontrolliert und deren Sinn sich mir nicht immer ganz erschließt. Die sammeln Tassen ein, bedienen Kaffeeautomaten und die Spülmaschine, gehen sinnentleert mit einem hunderte Jahre alten Wischer immer wieder durchs Klo ohne dieses oder den Wischer jemals richtig sauber zu machen, glotzen einen blöde beim Pinkeln an, waschen sich die ganze Zeit die Hände oder hängen unterm Wasserhahn, putzen Aufzüge usw. mal hier mal da aber nie ganz. Ich weiß nicht ob man dazu nicht ein zwei richtige Leute einstellen kann, die solche Dinge vertrauensvoll einmal richtig machen und nicht tausendmal ein bißchen, sonst im Weg rumstehen oder die bedingt durch Leere in ihrem Hirn und ihrer Tätigkeit die Leute anstarren. Habe daraufhin endlich einen eigenen verschließbaren Schrank bekommen, den anderen musste ich mir bisher teilen. Aber die Inder sind ja so klever, die nehmen nicht alle Schlüssel mit, nein den könnte man ja verlieren. Die legen den schön zwischen ihre Unterlagen auf ihrem Schreibtisch, was den Sinn eines Schlosses ad absurdum führt und Zack waren am nächsten Tag wieder ein paar Bleistifte weniger drin. Obwohl ich dazu sagen muss, dass der USB-Stick während meiner Arbeitszeit wegkam als er neben meinem Laptop auf dem Tisch lag und ich wohl wieder zum 10. Male irgendwo in einer Abteilung nach Daten fragte, die ich schon lange erhalten haben sollte. Mein Kollegen rechts und links haben natürlich nix mitbekommen, wer weiß wo die wieder waren. Das wird jetzt nicht mehr passieren, ab jetzt wird alles, was nicht direkt gebraucht wird, immer konsequent weggeschlossen. Ich habe ja den Tasseneinsammler in Verdacht, der kann sich am unaufälligsten durch die Reihen bewegen. Allerdings laufen den ganzen Tag soviele Leute auch fremde durch dieses Großraumbüro, dass es praktisch jeder gewesen sein kann. Sicherheit zuerst ist Volkswagens Motto!

Heute habe ich dann noch 2 Anzüge plus je eine extra Hose zum Maßschneidern in Auftrag gegeben, das ist hier doch etwas günstiger als bei uns und naja meine alten beiden sehen dem Ende entgegen. Der eine ist noch von meinem Abiturball (ja der passt immernoch) und der andere auch bald 2 Jahre alt und durchgewirtschaftet durch intensive Nutzung. Es war also eh höchste Zeit, deshalb habe ich heute Arbeitskleidungsbeschaffungsmaßnahmen ergriffen. Hab mir in dem Zuge auch noch gleich ne neue Krawatte und einen Gürtel gekauft. Das ich mir heute auch noch 3 Hemden kaufen musste, lag daran, dass wohl Maharashtra Tag ist (die Sache mit dem Alkohol) und ich dann wie vom Blitz getroffen wurde, als meine Reinigung um die Ecke zu hatte. Mittags war ich dann bei KFC (Kentucky Fried Chicken) da lief dann deutsche 90er Jahre Mucke, aber nicht die Gute, falls es in diesem Jahrzehnt überhaupt soetwas gab. So Marke Mr. President mit Coco Jambo oder so ein Müll, toll war auch Modern Talking mit Cherry Cherry Lady, aber ich glaub das ist noch älter. Meine Vermutung ist, die wollten die Leute in diesem total überfüllten Laden nur animieren schneller zu kauen und zu gehen, was bei mir auch prima funktioniert hat. Die Inder dort waren entweder taub oder scheinen eine irgendwie geartete Immunisierung dagegen gefunden zu haben. Das es denen da tatsächlich gefallen hat, möchte ich ihnen aus Respekt vor diesem Land mal nicht unterstellen.

Wegen den heutigen Investitionen wird meine Reise in den Himalaya dann wohl erst im Juni stattfinden und mein Trip auf die Andamanen wohl Anfang Juli. Goa und die Anzüge wollen ja auch finanziert werden und der Monat hat ja gerade erst begonnen.

Soviel für heute, ich sehe gerade im Randbereich meines Blickfeldes, ich hab noch etwas Bisongras-Vodka und Cola übrig. Naja also vielleicht doch kein ganz so trockener Samstag. Vielen Dank an meine Freunde aus dem Spreewald, die diese großartige Idee hatten, den mir in mein Überlebenskit zu packen. Ich trink einen auf euch!

Bis die Tage