In Panjim bin ich dann am Fischmarkt ausgestiegen und ein wenig, die zu diesem Zeitpunkt noch sehr verwaiste, Promenade lang spaziert. Dabei ist dann auch der Träger meines Rucksacks gerissen, was sich für die nächsten Stunden als überaus hinderlich herausstellen sollten. Panjim ist speziell in den Morgenstunden wie ein kleines portugiesisches Fischerstädtchen mit zahlreichen erhaltenen Kolonialbauten. Da vor 10, 11 Uhr kaum Irgendwas aufhatte, bin ich dann also etwas durch die Altstadt geschlendert. Mein erstes Ziel war die bekannteste Kirche der Stadt, die der Heiligen Jungfrau der unbefleckten Empfängnis, wenn ich das richtig übersetzt habe. Ja den Einfluss der katholischen Kirche kann man wohl nirgends so deutlich in Indien sehen wie in Goa. Allerdings kann man hier wirklich von religiöser Toleranz sprechen, denn man findet in Goa auch überall Hindutempel und vereinzelt Moscheen. Da noch viel Zeit war habe ich mich dann auf den vom Reiseführer empfohlenen Weg begeben. Ich habe den Sitz des Erzbischofs gesehen, den Maruti-Tempel, so heißen hier also nicht nur die Autos und die Residenz des Hauptministers von Goa, welche im Vergleich zum Bischofssitz, der schon ein paar Jährchen alt war, doch relativ mickrig wirkte. Hier ist die Welt der katholischen Kirche noch in Ordnung und die Leute tragen ihr Geld lieber in die Kirche anstatt ihr Leben damit zu verbessern, obwohl man erwähnen muss, dass das Durchschnittseinkommen in Goa doch beträchtlich größer ist als im Rest von Indien, natürlich durch den Tourismus. Nach dieser doch recht anstrengenden Tour, bedingt dadurch, dass Panjim sehr hügelig ist und ich meinen Rucksack nur schlecht mit nur einem Träger transportieren konnte, fand sich gegen halb 12 endlich ein Schneider, der diesen Umstand beheben konnte. Alles in allem ist Panjim aber recht überschaubar und man ist relativ schnell von einem zum anderen Ende gelaufen. Mittags bin ich dann in das laut Reiseführer einzig noch original portugiesische Restaurant in Panjim eingekehrt, "A Ferradura". Das Restaurant war top und hätte so auch in jedem europäischen Land bestehen können, wenn nur nicht das Essen wieder so scharf gewesen wäre. Dafür gabs zwei kühle Bierchen als Ausgleich. Was mir in Panjim noch aufgefallen ist, die Leute wollten gar kein Trinkgeld haben und waren auch sonst überaus zuvorkommend, freundlich und höflich, ich hatte in dieser Stadt zu keiner Zeit, das Gefühl, dass mich einer übers Ohr hauen wollte, welches sich sonst in Indien auch an den Stränden Goas doch mehrmals einstellt. Also Panjim hat mir gefallen. Nach dem Mittagessen ging es dann zurück zum Busplatz auf nach Calangute und Baga.
In Calangute angekommen, wollte ich nach nervenaufreibender und durch die Hitze bedingt anstrengender Zimmersuche, nur noch eins: zum Strand! Am Strand angekommen der erste Schock abertausende von Indern bevölkerten den Eingang zum Strand, sodass man den Sand kaum noch gesehen hat. Allerdings durch den glücklichen Umstand, dass Inder grundsätzlich nichts alleine machen, war der Strand ca. 500m nördlich oder südlich fast unbelegt. Hier geht man halt nur mit Großfamilie baden und am besten noch zwei Nachbarsfamilien, naja wem es Spaß macht. Einziges wirkliches Ärgernis am Strand waren die Leute, die einem ständig Jetski oder ähnliches anbieten wollten. Den zehnten dieser Typen habe ich dann mal gefragt ob er wirklich der Auffassung sei, dass er der erste heute wäre, der mir an diesem Strand diese Frage stellt. Die Strände von Goa, die ich gesehen habe, sind wirklich traumhaft, meist sauber, man kleine Krebse und Muscheln im Sand beobachten, wie sie sich wieder einbuddeln, nachdem die Wellen sie freigespült hatten im Hintergrund sind Strandbars und Palmen. Am Strand hab ich dann ein Päarchen aus Irland kennengelernt (David und Emer, wohl ein gälischer Frauenname), die in Goa nur Zwischenhalt machten, bevor sie nach Australien auswanderten. Die haben mir auch dann gleich gesagt wo Abends so die Party geht und ich hatte Jemand, wo ich mein Zeug lassen konnte, um mich endlich in die Wellen stürzen zu können. Erfrischend war es nicht besonders, es war eher Badewannentemperatur und das Meer ist zur Monsunzeit auch sehr rau, d.h. viele auch starke aber unregelmäßige Wellen, da half dann auch der schönste Strand nix, war aber trotzdem klasse dort und nicht in Mumbai zu sein. Also verbrachte ich den Rest des Nachmittages am Strand
Das japanische Restaurant, dass im Reiseführer empfohlen wurde, gab es leider nicht mehr, sodass es diesmal wieder typisch indisch und viel zu scharf zum Abendbrot gab, dazu wieder das obligatorische Bier, denn ich war ja im Urlaub. Die Partymeile ist nicht direkt in Calangute, dass ist eher für Familien, da werden sozusagen Nachts die Bürgersteige hochgeklappt. Dafür musste man ca. 3 km nach Baga laufen. Man hätte auch Rikscha fahren können, aber der Preis für 3 km oder auch nur ein paar hundert Meter lag bei 100-200 Rupien, was ich dann einfach mal nicht eingesehen habe. Bin also in Goa nicht einmal Taxi oder Rikscha gefahren, ich hatte ja auch Zeit.
David und Emer habe ich dann leider den Abend nicht mehr wieder getroffen, die hatten gerade frische Handykarten für Indien sich geholt und doch tatsächlich geglaubt, dass diese am nächsten Tag schon funktionieren würden, Änfängerfehler könnte man sagen. Beim abklappern der Strandbars bin ich dann in einer gelandet, die sich Cafe del Mar nannte. Tolles Ding, hatte etwas von Lounge, dazu hat ein DJ, der House Musik aufgelegt hat, super Atmosphäre, bequeme weiße Kissen in Bastsesseln, relativ leer, klar letzte Woche und 2 sehr hübsche blonde Engländerinnen, die dort alleine saßen. Ich habe dann gefragt ob ich mich dazu setzten könnte und dann also eine Weile mit denen gefeiert. Wie sich herausstellte waren die erst 19, aber so sahen die nun wirklich nicht aus. Man verabredete sich dann später so gegen in der einzigen lokalen Disko zu treffen, wo noch was los war. Ich blieb noch ein wenig am Strand in einem Sessel liegen und genoß die Szenerie, bis ich mich dann auf den Weg zur Disco machte. Und das war mal echt schön da, also wirklich, ich hab echt laut gesagt, man ist das geil hier. Kühles Bier, am Strand, hinter dir die Bar mit dem DJ der Housemusik auflegt fast für einen alleine sozusagen; vor einem sieht man die Wellen sich in der Dunkelheit kräuseln, man hört das Rauschen des Meeres, ein leichte Briese kommt vom Wasser und in der Ferne sieht man die Lichter der großen Schiffe wie eine Perlenkette aufgereiht, die in den Hafen von Vasco einfahren, über einem die Sterne. Ein echt perfekter Moment, so könnte man sein ganzes Leben verbringen. Jetzt weiß ich warum die Hippies, damals nach Goa gekommen sind. Ich mein tagsüber denkt man in den Touristenorten wirklich, boa ey dafür bin ich eigentlich nicht her gekommen, aber Nachts ist mal wirklich sau geil. Interessant war vorallem die Szenerie am nächsten Tag zu sehen, wo Nachts noch die Tische bis fast ans Meer standen, waren am nächsten Tag nur noch ein paar liegen zu sehen und man hätte echt denken können man ist ganz woanders. Irgendwann konnte ich mich dann doch aufraffen, aber auch nur schweren Herzens von da weg, ich hatte ja noch ne Verabredung.
Der Eintritt in die Disco lag dann für indische Verhältnisse bei doch stattlichen 800 Rupien, das sind immerhin mehr als 13 Euro oder ca. 8 indische Tagessätze, naja dafür kostete das Bier nur 50 Rupien. Was für einen deutschen Studenten auch nicht wirklich billig ist, also so wie ich mir die Preise für Bier in 3. Welt Ländern halt vorgestellt habe, aber für die ganzen Iren und Engländer, die daheim in Dublin oder London mal schnell 6 bis 8 Euro für ein Pint lassen, war das natürlich ein Traum. In dem Club angekommen hab ich dann erstmal mit 2 anderen Engländerinnen und einem trinkfesten Iren gefeiert, deren Namen ich aber nicht mehr weiß und danach den ein ne ganze Weile mit einem sehr netten indischen Mädchen Namens Lucy getanzt und geredet. Die kam irgendwo aus dem tiefen Osten Indiens, wo man als Ausländer garnicht hin darf und bin natürlich gleich ins Fettnäpfchen getreten und habe sie gefragt aus welchem Teil von China sie denn kommt. Im Nachhinein ne witzige Geschichte, am nächsten Tag am Strand bei die Iren und Engländer auch dann der Brüller des Tages. Naja bei einem Telefonat am nächsten Tag hat man dann sehr schnell gemerkt, dann wir aus zwei verschiedenen Welten kommen, so ist das halt. Die indischen Leute die nach Goa kommen zum feiern sind ganz anders als im Rest Indiens, viel offener und so, da ist es wiedermal das andere Indien, also wieder eín anderes. Die beiden Engländerinnen von der Strandbar habe ich danach auch übrigens wieder getroffen. Die waren dann aber auch schon gut angeheitert und wollten wohl nur noch Leute dazu bringen auf dem elektrischen Bullen zu reiten, nach dem sie das auch selbst getan hatten. Das war relativ witzig und lustig bis eine etwas korpulente und sichtlich betrunkene Engländerin mit extrem kurzen Kleid, 2 Finger breit unterm Kö könnte man sagen, auf dieses Ding stieg. Sagen wir mal so das Kleid rutsche dann natürlich sehr hoch, die Zellulite und die Unterwäsche, welche sie glücklicherweise für alle Anwesenden noch an hatte, kam hervor und es war allen anderen Europäern sichtlich peinlich bzw. sie waren erschrocken. Sie fand es noch so toll, wie die ganzen Inder sie angegafft haben, da waren sie wieder die Klischees. Überhaupt war das ganze eine sehr Klischee behaftete Partfraktion, trinkfeste Iren und noch trinkfestere Engländerinnen, die sich daneben benehmen und je nach Alter sich an junge Inder ran machten. Als dann die Uhr wieder 03:30 oder auch etwas später anzeigte, machte ich mich dann auch langsam auf dem Heimweg. Auf halben Wege wurde ich dann noch von einer Prostituierten nagesprochen: "Mr. 10.000 Rupees". Auch das ist das andere Indien, speziell seitdem die Russenmafia etwas weiter nördlich viel Land aufgekauft hat. Aber alles in allem kann man sagen, das waren meine besten 24 h bisher in Indien gewesen, viel gesehen, viel gefeiert und viel Spaß gehabt. Ich hab den Tag auch sehr gut überstanden und nicht die üblichen Alkoholerscheinungen nach so einer Feier gehabt, was wohl im wesentlichen daran lag, dass ich über den Tag verteilt getrunken habe, 2 Mal relativ gut gegessen habe, ein Novum für Indien und natürlich diesmal auch ständig genügend Wasser getrunken hatte.
Am nächsten Tag bin ich dann Mittags wieder an den Strand zu den Iren und Engländerinnen und hab den Tag auch aufgrund des anstrengenden letzten Tages dann sehr entspannt verbracht. Mein ursprüngliche Plan ein Moped oder Motorroller zu mieten habe ich dann verworfen, da sich der Aufwand für die wenigen Stunden nicht gelohnt hätte und es mir außerdem dort auch gefallen hat. Die anderen Touristen haben einem auch erzählt, das weiter nördlich sogut wie garnichts mehr offen hat, weil halt die Saison sich dem Ende neigte und entspannend und ruhig war der Strand genug gewesen. Abends ist dann diese Gruppe in eine Bar um das FA-Cup Finale von England zu schauen. Mittlerweile war auch noch ein Deutscher zu uns gestoßen, der gehört hatte, wie ich mich mit den Iren über das deutsche Pokalfinale unterhalten habe, was wir beide unbedingt sehen wollten. Zwischendurch sind wir noch in eine Karaokestrandbar, wo die Engländerinnen, dann ein wenig geträllert haben, die eine konnte das wirklich gut, hatte aber auch den Klangkörper einer Valküre. Wir Deutschen haben uns dann zum DFB-Pokalspiel verabschiedet mit Versprechen sich später in einer Disco/Club wieder zu treffen. Das Spiel konnte ich zwar auf Leinwand sehen, aber die Inder sind nicht so Fußball verrückt, was sich in ständigen Störungen, wie Leuten, die durchs Bild liefen bemerkbar machte. Naja danach wollten wir noch in den Club, aber da wollten die 1200 Rupien Eintritt haben, sprich 20 €, zwar dann freie Getränke, aber es war auch schon wieder 02:30 und da hätte ich ja dann noch vergleichsweise 24 Bier trinken müssen um darauf wieder zu kommen. Also lies ich den Abend dann ausklingen. Auch der Versuch zu meiner so geliebten Strandbar zurück zu kehren war erfolglos, da diese bereits zu hatte.
Ich hatte das Gefühl, dass viele Preise in Goa furchtbar überhöht für Indien sind und die Leute das aber als normal empfinden. Ich glaube die Leute machen hier die selben Fehler, welche man in den 90er und 2000er Jahren auch in so Ländern wie Griechenland, Italien und Spanien gemacht hatte. Die Preise steigen und steigen, weil man denkt die Touristen werden schon immer weiter kommen. Ich meine klar wenn man speziell unsere europäischen Inselbewohner sieht, die für jeden Mist teilweise irrwitzige Preise zahlen, kann man sich vorstellen, wie die Leute auf die Idee kommen, aber das die Qualität und Wettbewerbsfähigkeit darunter leidet und man einmal vergraulte Touristen nur schwer wieder zurückgewinnt ist ihnen nicht klar. Aber die Inder sind allgemein keine Freunde des langfristigen Denkens. Ich jedenfalls habe mich bei vielem deshalb eher zurückgehalten, siehe Taxifahrten, Eintrittspreise. Ich hätte schon noch etwas Geld am Samstag gelassen, aber nicht mehr soviel um die Zeit. Am schlimmsten ist wie speziell die Inder mit ihren Stränden umgehen, ich meine noch geht es, aber die machen sich gar keinen Kopf. Irgendwer anderes wird schon den Müll wegräumen, dass aber die Strände Goas einziges Kapital sind und der Grund warum soviele Touristen kommen, dass sehen sie nicht. Also die Europäer, selbst die Inselaffen, haben versucht ihren Müll mit zunehmen, aber da wo die Masse der Inder war, das sah es auch dann nicht mehr gut aus.
Fazit Goa: Gut zum entspannen, erholen un abschalten von Mumbai, sicherlich cool mit Kumpels da zu feiern, aber doch auch nicht so günstig wie ich dachte. Selbst die Iren haben gesagt, also nochmal müssen die da nicht hin. Ich hab ein paar Bilder von der Hochsaison gesehen, wo der ganze Strand tanzt und feiert, dass ist bestimmt sehr cool, aber kann man im Endeffekt auch am Mittelmeer günstiger haben.
Am Sonntag war dann nur noch Abreise, auch deshalb weil mein kratzender Hals, den ich mir durch die Büroklimaanlage eingefangen habe, sich nach 2 Tagen rauschen zu einer mächtigen Erkältung gemausert hatte. Besonders toll war es im Flugzeug, als der Spaß dann auch auf die Ohren ging und ich rechts nichts mehr hören konnte am Sonntag.
Heute gehts wieder, Abends ist Championsleague-Finale. So Schluss für heute, denn ich muss sagen ich hab jetzt echt einige Stunden daran geschrieben.

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