Samstag, 2. Februar 2008

Nokia, Lohnkosten, Kapitalrendite.

Als ich folgenden Artikel von Hans-Werner Sinn in der Wirtschaftswoche gelesen habe, dachte ich mir, ich muss auch mal was dazu verfassen.

Zunächstmal warum wandert Nokia ab?

Nokia wandert ab, weil es in Rumänien mehr Rendite je eingesetztes Kapital bekommt (z.b. 25% statt 15% [völlig frei erfundene Zahlen], dass heißt sie bekommen aus 100 € Einsatz 125 € statt 115 € raus). Wenn man dem Artikel glauben kann und in Rumänien die Löhne wirklich nur ein 14-tel! des westdeutschen Lohnniveaus betragen, scheint das auch sehr verständlich. Sie müssen halt weniger für ihr Personal bezahlen. Zwar sagen Gewerkschaften das Lohnkosten nur 10% der Kosten ausmachen, aber vergessen sie dabei, dass genau diese Lohnkosten oftmals ein Großteil der flexiblen/variablen Kosten ausmachen, dass sind die Kosten, die von Standort zu Standort unterschiedlich und veränderlich sind. Denn in den letzten Jahrzehnten sind die Anteile der fixen Kosten an der Produktion immer weiter gestiegen und steigen weiter, nicht umsonst war in den letzten Jahren "Outsourcing" (zu deutsch Auslagerung) so ein Thema, weil man so fixe Kosten in Variable wandeln kann und so flexibler und wettbewerbsfähiger wird. Man verlagert Produktionskapazitäten und unternehmerisches Risiko an den Zulieferer (hat aber auch ein, zwei mögliche Nachteile, wie z.B. Know-How Verlust).

Fazit dazu: Nokia könnte also nochmehr Gewinn erwirtschaften.

Wieso reicht Nokia der "Gewinn" im Bochum nicht?

Zunächst mal Werke erzielen direkt keinen Gewinn, sie produzieren nur. Erlöse und letztlich damit Gewinne erwirtschaftet der Absatz, und diese Gewinne werden wiederum wo es geht direkt und wo nicht, indirekt über sogenannte Schlüssel (diese sind in irgendeinerweise immer willkürlich, es geht garnicht anders, dass heißt theoretisch schon, aber praktisch naja und von Grenzplankostenrechnung oder relativer Einzelkostenrechnung will ich jetzt hier nicht anfangen) in mehr oder weniger komplizierten Verfahren den Kostenstellen zugerechnet/zugeschlüsselt (genauso verfährt man übrigensauch mit Kosten, nennt sich dann Kostenrechnung).
Sagen wir mal Bochum würde 10.000 € Kosten zugeschlüsselt bekommen (sowas verläuft schon überaus verursachungsgerecht, da man sonst nicht vergleichen könnte und unwirtschaftlich arbeiten würde), und 40.000 € Erlöse ebenfalls, macht dann eben 30.000 € Gewinn, oder eben die Zahl, die tagelang durch die deutschen Medien geisterte. Ich glaube 70 Millionen wars.
Nun sind das aber in der Wirtschaft nicht einfach Gewinne. Man vergleicht z.B. Investitionsreihen, wie Werk Bochum vs. Werk in Klausenburg (Rumänien), und vergleicht z.B. unter anderem den Kapitalwert. Welcher in Rumänien höher scheint, was auch plausibel ist, da ja höhere Rückzahlungen erwartet werden, wegen geringerer laufender Kosten. Nun gilt in der BWL/VWL auch das Prinzip der Opportunitätskosten. Es beschreibt im wesentlichen den Nutzenentgang, wenn man die beste Alternative nicht verwirklichen kann. Diese sind aber im Werk von Bochum höher, was im Endeffekt bedeutet im Werk in Rumänien mache ich einen Gewinn gegenüber der besten Alternative (mal angenommen das wäre überhaupt Bochum) und in Bochum einen Verlust gegenüber Rumänien.

Fazit: Betriebswirtschaftlich macht man also in Bochum Verlust.

Warum kann man nicht in Bochum einfach mit "etwas" weniger Gewinn als in Klausenburg produzieren sind doch immernoch 70 Mille?

Das liegt im wesentlichen daran, dass auch Nokia eine Aktiengesellschaft ist. Also die Aktionäre/Aktieninhaber sind die Eigentümer und diese wollen natürlich die maximalen Renditen auf ihre Aktien haben und wenn sie die nicht bekommen verkaufen sie ihre Aktien. Investieren also woanders, was nicht nur schlecht für den Kurs der Nokiaaktie ist, sondern fürs ganze Unternehmen sehr schädlich ist, besonders wenn man mal wieder Geld braucht im Sinne einer Kapitalerhöhung. Eine andere Option der Inhaber wäre auch einfach das Management zu feuern, wenn diese nicht das tun was sie wollen, deshalb müssen die Nokiamanager schon im Interesse des eigenen Arbeitsplatzes so agieren. Das ganze nennt sich Shareholdervalue-Maximierung, zu deutsch Maximierung des Anteilseignervermögens, also dessen Wertsteigerung (value = engl. für Wert). Diese Form ist der Unternehmensführung ist besonders in der angelsächsischen Kultur maßgebend und auch in Deutschland auf dem Vormarsch bzw. schon weit verbreitet, besonders bei "Globalplayern" (international agierenden Konzernen). Es gibt Kritk an der reinen Form dieser Arbeitsweise, diese bezieht sich besonders darauf das zu kurzfristig agiert wird(kurzfr. Shareholdervalue-Maximierung), zu lasten des langfristigen Erfolges. Aber auch das würde das Werk in Bochum wohl nicht retten.

Fazit: Die Manager müssen so handeln, sonst sind sie ihren Job los und es macht ein anderer! Aber für alle Freunde der Schadenfreude, sollten in Asien mittelfristig halbwegs gut ausgebildete Arbeitskräfte in großer Zahl verfügbar sein und die Transportkosten weiter sinken, wird das Werk in Osteuropa wie soviele andere nicht von Dauer sein! Handys haben relativ viel Wert gemessen an ihrem Gewicht (im Gegensatz zu Zement zum Beispiel), man kann sie theoretisch überall auf der Welt produzieren, da derTransport billig ist und es sich jetzt nicht um so eine Hochtechnologie handelt.

Wieso kann Nokia überhaupt so einfach abwandern?

Das liegt im Wesentlichen an zwei Faktoren. Der erste und schwerwiegenste:

Man hat in NRW einen schlechten Vertrag ausgehandelt, wenn man wollte das Nokia für diese Fördersumme länger in Deutschland bleibt, hätte man das in den Vertrag schreiben müssen. Die Naivität mancher Politker ist grenzenlos. Da hat man einfach gepennt oder schlecht verhandelt. Hier liegt meiner Meinung nach auch das Hauptproblem, warum es jetzt so ein Geschrei gibt!

Zweitens:

Die Globalisierung (das böse Wort) / die Europäische Integration. Die Faktormarktintegration erlaubt es nicht nur Arbeitnehmer überall in der EU Arbeit aufzunehmen und auch dort zu wohnen (mir fallen da gerade die ganzen Malle-Rentner ein, ja ohne Eu wäre auch das nicht möglich), sondern auch Arbeitgebern die freie Standortwahl und das kann eben Finnland, Deutschland oder auch Rumänien sein. Außerdem erlaubt die Kapitalmarktintegration freie Geldtransfers. Geld kann dahin fließen wo es die meisten Renditen bekommt.
Das hat nun folgende Ursachen. Angleichung der Renditen und Löhne (für Deutschland eine Absenkung der Löhne, bzw. höchstens Stagnation, hängt aber auch stark von der Ausbildung ab, besonders stark betroffen sind gering ausgebildete Arbeiter, da sie billige Konkurrenz bekommen, die Nachfrage nach hochqualifizierten steigt wiederum).

Was lernen wir hieraus: In der wirtschaftlichen/politischen Integration oder Internationalisierung gibt es keine Länder die verlieren! Länder verlieren nicht, nur Menschen (das ist so ähnlich wie: "Länder haben keine Freunde; Sie haben gemeinsame Interessen"). Die gesamte Wohlfahrt aller Länder steigt stark. Aber in allen Länder gibt es Gewinner und Verlierer. Die Gewinne der Gewinner (ich weiß das hört sich doof an) kompensieren aber die Verluste der Verlierer bei weitem. Nun werden sich Verlierer solange gegen die europäische Integration/Globalisierung stellen, wie sie Vermögen/Einkommen usw. einbüßen, dass heißt die Frage der Umverteilung ist ein zentrales Problem der nächsten Jahre! Leider haben das viele in der Wirtschaft und der Politik noch nicht begriffen, das man die Integration nicht ohne einen nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung machen kann. So erklären sich auch zunehmende Wahlerfolge von Linkspartei und Co. Die Frage der sozialen Gerechtigkeit steht im Raum.

[nur kurz angemerkt:
- bei Gütermarktintegration gewinnen die Konsumenten im Inland, da sie im Ausland billiger einkaufen können, einheimische Produzenten, die nicht wettbewerbsfähig genug sind, verlieren
- bei Faktormarktintegration gewinnen die einheimischen Kapitaleigner und einheimische Arbeitnehmer verlieren (da Deutschland ein Hochlohnland ist, gegenüber Rumänien z.B, da ist es genau andersherum)
- bei Kapitalmarktintegr. das selbe wie Faktorintegration (wiederum da Deutschland eine starke Industrienation ist, die Renditen, die durch Wachstum erwirtschaftet werden können sind in Rumänien halt größer, da dort weniger Wirtschaft ist. Als Beispiel: Rumänien hat sagen wir mal ein BSP von 10 ein Zuwachs von 1, wären 10% Prozent mehr; Deutschland hat vielleicht 50, ein Zuwachs von 1 wären nur 2% mehr Wachstum / Rendite etc.]

Wie soll man das ganze nun beurteilen bzw. was sollte Deutschland / der deutsche Arbeitnehmer tun?

Also das Nokia abwandert ist normal! Es ist vielleicht unmoralisch, das bestimmt, aber hat nicht jeder von ihnen schonmal etwas gemacht vielleicht, was nicht ganz richtig /moralisch /politisch korrekt war, um einen persönlichen Genuß /Vorteil / Freude oder sonsterwas daraus zu ziehen? Vor allem wenn man bedenkt das diese Entscheidungen noch durch Förderungen (Subventionen) unterstützt bzw. gefördert werden. Hier hat eindeutig dei deutsche Politk versagt, sowohl auf Landesebene bei den Vertragsverhandlungen wie auch auf Bundes- / Europäischer Ebene (Stichworte: Nettozahler, Britenrabatt, Agrarsubventionen, Stimmenanteile in den europ. Institutionen [Quadratwurzel statt Bevölkerung]) indem man deutsche Interessen seit Jahren nicht richtig vertritt, aus welchen Gründen auch immer!
Ich wunder mich nicht warum NPD, DVU, Die Linke und wie sie alle heißen gewinnen, während die "Großen" Parteien weiter abschmieren, diese machen weiter Wahlkmapf mit nebensächlichen Themen, anstatt sie die Bürger in ihren Interessen, besonders ihrem Einkommen oder Vermögen richtig vertreten auch international, und weiterhin denken der Bürger merkt es nicht: "Nein, sie haben nicht weniger Geld in der Tasche!".

Was sollte man nun in Deutschland dagegen tun?

Auf jedenfall aufhören aussterbende Industriezweige mit Milliarden zu subventionieren (bestes Beispiel; mit den Milliarden mit denen die deutsche Steinkohle jedes Jahr subventioniert wird, hätte man alle noch aktiven Kumpel umschulen können, ihnen eine neue Arbeit besorgen können oder sie bis zur Rente mit ihrem Lohn weiter durchfüttern können; wenn Steinkohle in Deutschland nochmal rentabel wird, durch eine gestiegene Weltnachfrage möglicherweise, dann werden schon wieder Unternhemen kommen, die hier die Gruben weiter betreiben, aus reinem Gewinnstreben, aber dann auf eigene Kosten und nicht auf die des Steuerzahlers). Man muss die eigenen Vorteile im internationalen Wettberb erkennen und fördern. Die deutschen Standortfaktoren sind Infrastruktur, Bildung/Wissen/Technologie, Dienstleistungen besonders dabei Finanz-DL und nicht zuletzt stabile Verhältnisse/Sicherheit!
Man muss da besser sein und mit anderen Industrienationen konkurrieren, einfache Dinge können sie überall auf der Welt billiger machen als hier! Das heißt dann aber auch Förderung von Gentechnik, Biochemie, erneubare Energien (hier wäre eine Spitzenposition auf lange Sicht enorm wichtig), neue Verfahrenstechniken, Informationstechnologie, aber auch moderne Kernkraft [das die alten Meiler aus den 60-zigern vom Netz müssen ist klar, dann aber neue, sichere, effizientere vom Stand 2008, denn sonst macht man sich nur abhängig von ausländischer Energie und das ist Kernkraft, Kohle etc, da brauch man sich nichts vormachen], oder auch solche Sachen wie der Transrapid, teure Dinge die man exportieren kann. Dann lagert sich auch Zulieferindustrie an, was wiederum auch einfachere Arbeitsplätze schafft, die uns ja so fehlen, stärk auch wieder den Bau, etc. Es ist wie eine Kettenreaktion, da hängt soviel dran!

Natürlich muss auf jeden Fall die Bildung am meisten gefördert werden, Unis, Schulen, etc. Solch enorm hohe Zahlen von Schulabbrechern, Leuten ohne Abschluss kann sich keine Industrienation leisten. Ziel muss eine enge Verknüpfung von Schulen und Hochschulen mit den ansässigen Unternehmen sein, wie zu Zeiten der industriellen Revolution in Deutschland, als Deutschland eine Wirtschaftsmacht wurde, dass heißt aber auch, Unternehmen müssen eher in die Schulen um Kindern und Jugendlichen Perpektiven und Möglichkeiten zu zeigen, woher sollen die es sonst wissen. Nicht nur über mangelden Fachkräfte klagen, eher begeistern und ausbilden. Wenn die erstmal die Schule abgebrochen haben, aus Perspektivlosigkeit vielleicht, ist es zu spät. Leider setzen viele Unternehmen heute erst bei Hochschulabsolventen an, wo viele sich vielleicht schon gegen ein Studium entschieden haben!

Senkung der Lohnnebenkosten, durch z.B. Reform des Steuersystems (aber das wäre jetzt zu lang an dieser Stelle), die Leute müssen wieder mehr Geld in der Tasche haben und sehen, dass sich Arbeit auch lohnt -> Stärkung des inländischen Konsums. Nur mit Export macht man sich extrem abhängig von der intern. Entwicklung und die kann acuh mal stocken siehe USA.

Zuletzt natürlich müssen international und national bessere Verträge und Konditionen ausgehandeln werden, wie deutsche Politker sich in Brüssels oder auch auf kommunaler Ebene über den Tisch ziehen / beeinflussen lassen, spottet jeder Beschreibung! Siehe NOKIA!

Was sollte der Arbeitnehmer tun, besonders der vielleicht schlecht bis wenig ausgebildete?

Als ersters sehen, dass man immer dazulernt und sich weiterbildet, Abendschule etc. Nur so entgeht man Niedriglöhnen und Arbeitslosigkeit. Zum Thema Lohnforderungen, ja es wurde sich lange zurückgehalten und es sind auch Erhöhungen gerechtfertigt, aber nicht in dem Ausmaß wie sie gefordert werden. Deutschland ist immernoch ein Land mit extrem teurer Arbeit, vor allem für schlichte Dinge, so hart das für manch Betroffen auch ist, aber ihre Arbeit ist wegen der große internationlaen Konkurrenz eben nicht so viel Wert auf dem Weltmarkt [Angebot und Nachfrage regeln den Preis]; und starke Lohnerhöhungen werden das Ganze nur schlimmer machen, weil es dann mehr Nokias geben wird, auch wenn das jetzt schwer verständlich ist. Es wird weiterhin gewisse internationale Angleichungen geben in allen Schichten, Milieus etc, dass heißt aber für den deutschen Arbeiter leider abwärts, da er schon ganz oben steht, es sein denn die Nachfrage steigt wieder nach ihm, aber diese tut es nicht durch höhere Löhne, eher durch bessere Ausbildung oder Wirtschaftswachstum. Vielleicht sollten unsere Gewerkschaften beim nächsten mal anstatt höhere Löhne bei Unternhmen zu fordern, beim Staat vorsprechen die Lohnnebenkosten oder Steuern für Geringverdiener zu senken, damit mehr vom Lohn übrig bliebt!

Das wichtigste zum Schluss, was immer galt und heute mehr denn je.

SEHEN SIE ZU, DASS IHRE KINDER EINE GUTE AUSBILDUNG ERHALTEN! MINIMUM ABITUR, NOCH BESSER STUDIUM! ES GIBT NOCH VIEL ZU VIELE JUNGE MENSCHEN IN DEUTSCHLAND, DIE DENKEN: ACH AUF'M BAU ODER SO FIND ICH SCHON NOCH WAS, SCHEISS AUF DIE AUSBILDUNG! SEIEN SIE DA HINTERHER! ES IST ZUM WOHLE IHRES KINDES BZW. LANDES!!!



3 Kommentare:

Unknown hat gesagt…

Ich erlaube mir einen manuellen Trackback auf einen Artikel mit thematischem Bezug:

Gewerkschaften: die Folgen für die Menschen

Besten Dank.

Der Tot auf Latschen hat gesagt…

Klar, immer gerne.

Anonym hat gesagt…

wie recht du hast! Schade nur das egal wie oft du das jemanden erklärst, dieserjenige immer gleich nach 3Sätzen abschaltet, weil spätestens wenn es um Rendite geht der 0815 Deutsche abgeschaltet hat.

Toller Artikel, werd ich mal weiterverlinken.